Umfragen unter Schülern/Studierenden: Feedback zur Verbesserung des Unterrichts nutzen

Das Ergebnis des über drei Jahre laufenden MET-Projekts der Bill and Melinda Gates Foundation, das sich mit fairen und zuverlässigen Maßnahmen für einen effektiven Unterricht beschäftigte, war, dass das kontinuierliche Einholen von Feedback durch Umfragen unter Schülern und Studierenden zu einer effektiveren Lehre beiträgt.

Durch Umfragen unter Schülern und Studierenden erhalten Lehrkräfte und Verwaltungsangehörige wichtige Informationen darüber, welche Teile eines Kurses oder eines Programms gut funktionieren und welche nicht. Das Schülerfeedback oder Studentenfeedback liefert außerdem Hintergrundinformationen zu anderen Arten der Unterrichtsevaluierung, wie z. B. dem Besuch von Gastlehrern im Unterricht. Diese Methode etwa hat sich beim MET-Projekt als ungeeigneter Weg zur Bestimmung der Unterrichtsqualität erwiesen.

Je nachdem, welche Ziele Sie verfolgen, können Sie mithilfe einer gut gestalteten Umfrage den Lehrplan für das nächste Jahr aufstellen, mehr über die Lernkultur in Ihrer Institution (und ggf. erforderliche Veränderungen) erfahren oder den Kursaufbau völlig überarbeiten.

Nachfolgend werden vier Möglichkeiten für den Einsatz von Umfragen für Schüler und Studierende vorgestellt. Außerdem wird erläutert, wie Sie die damit gewonnenen Daten für einen besseren Unterricht nutzen können.

1. Nutzen Sie Umfragen unter Schülern und Studierenden, um mehr über sie und ihre Bedürfnisse zu erfahren.

Manchmal muss eine Lehrkraft zunächst feststellen, auf welchem Wissensstand die Schüler bzw. Studierenden sind. Leider beginnen Lehrende das Jahr zu oft, ohne sich darüber im Klaren zu sein, wie gut vorbereitet ihre Schüler oder Studierenden überhaupt sind. Im Jahr 2017 meldeten amerikanische Hochschulen, dass über eine halbe Million Studienanfänger noch nicht bereit für ein Studium waren, als sie an die Uni kamen. Selbst an Schulen kann der Bildungsstand je nach Schule, Lehrern und Eltern ganz unterschiedlich ausfallen.

Anders als mit Tests können Sie mithilfe von Umfragen diese Informationen erhalten, ohne die Schüler/Studierenden unter Druck zu setzen. Nebenbei erfahren Sie noch weitere Details, beispielsweise wie die Schüler/Studierenden lernen oder was ihnen Sorgen bereitet.

Rachelle Poth, Spanischlehrerin an der Riverview Junior Senior High School, hat mithilfe von SurveyMonkey die Lerngewohnheiten ihrer Schüler ermittelt und gefragt, wie sie sich auf Klassenarbeiten und Prüfungen vorbereiten. Sie wollte wissen, wie sich bestimmte Verhaltensweisen auf die Leistung der Schüler auswirken. Sie befragte ihre Schüler auch zu ihrem Lernstil sowie zu ihren Stärken und Schwächen.

Das Lehrmaterial lässt Ihnen keine allzu großen Spielräume. Sie können nicht einfach den Stundenplan an die Vorlieben Ihrer Schüler/Studierenden anpassen. Wenn Sie jedoch frühzeitig feststellen, dass die Mehrheit der Klasse es mit dem Lernen für Klassenarbeiten nicht so genau nimmt oder wichtiges Hintergrundwissen aus den Vorjahren fehlt, können Sie womöglich doch etwas dagegen unternehmen.

Beispielfragen für eine erste Umfrage unter Schülern/Studierenden: Wie lernen Sie am besten? Welche Kurse haben Sie bereits zu diesem Thema besucht? Würden Sie lieber einen Aufsatz oder einen Test schreiben?

Wenn Sie erste Informationen über Schüler erhalten möchten, sollten Sie den Eltern eine Umfrage senden. Nutzen Sie dazu unsere kostenlose Umfragevorlage zum Verhalten von Kindern.

2. Holen Sie Schülerfeedback oder Studentenfeedback zu Arbeitspensum, Lerntempo und Struktur Ihrer Klasse/Ihres Kurses ein.

Mit Klassenumfragen oder Kursumfragen können Sie das Lerntempo und das Arbeitspensum ermitteln. Wenn Sie Schüler nach dem ersten Halbjahr fragen, wie viele Hausaufgaben sie für angemessen halten, müssen Sie jedoch selbst entscheiden, wie ernst Sie die Antworten nehmen. Außerdem geben Umfragen Aufschluss darüber, welche Projekte besonders gut ankamen und bei welchen es eher Probleme gab.

Sie können die Lernenden bitten, die Lerninhalte nach Schwierigkeit zu ordnen, anzugeben, was besonders hilfreich war oder was sie ändern würden, wenn sie könnten. Auf diese Art können Sie Anregungen für neue Ansätze im nächsten Jahr erhalten, oder Sie werden in Entscheidungen bestärkt, bei denen Sie sich nicht sicher waren.

Die Universitätsprofessor/-innen auf den Jahresbestenlisten von „Rate My Professor“ werden stets für ihre Erreichbarkeit und ihre Zugänglichkeit gelobt und nicht unbedingt für ihren perfekten Lehrplan. Die Studierenden wissen es tatsächlich zu schätzen, wenn Lehrkräfte für sie ein offenes Ohr haben. Mithilfe von Umfragen können Sie den Weg dafür ebnen und die Rückmeldungen Ihrer Klasse/Ihres Kurses in den Planungsprozess einbeziehen.

Bei dieser Art von Umfragen ist es am besten, die Fragen kurz, klar und konkret zu formulieren. Die Schüler/Studierenden sollen genügend Freiraum haben, um Themen anzusprechen, auf die Sie selbst nicht gekommen sind. Unsere vorformulierte Vorlagen für Schulungsumfragen eignen sich gut für den Einstieg.

Beispielfragen für eine Umfrage zu Kursfeedback: Was waren die drei nützlichsten Aktivitäten in diesem Kurs? Was würden Sie Ihren zukünftigen Kommilitonen raten, die diesen Kurs besuchen? Wie viel Zeit haben Sie im Schnitt jeden Tag für die Hausaufgaben benötigt?

3. Stellen Sie Fragen zum Lernumfeld Ihrer Einrichtung.

Es ist durchaus üblich, die Schüler/Studierenden um Feedback zu Kursen und der Qualität der Lehrkräfte zu bitten. Doch Faktoren, die das Lernumfeld, wie Unterrichtskultur oder physische Ressourcen, betreffen, kommen dabei oft zu kurz. Dadurch wird die Beurteilung lückenhaft, denn diese Faktoren haben einen enormen Einfluss auf die Arbeit der Lernenden.

Stellen Sie den Schülern/Studierenden Fragen zu Programmen, die Ihre Einrichtung gerade testet, oder dazu, wie oft sie physische oder digitale Ressourcen nutzen (z. B. Mini-Bibliotheken, Lerngruppen, Computerräume, Onlinedatenbanken). Anschließend können Sie überlegen, ob Sie künftig etwas ändern müssen.

Anonyme Umfragen sind für Schüler/Studierende außerdem eine hervorragende Möglichkeit, um sich über emotional aufgeladene Themen zu äußern (beispielsweise über Mobbing, fehlenden Mut, Fragen zu stellen, oder sozialer Druck). Schüler/Studierende benötigen einen geschützten Raum, um optimal lernen zu können. Wenn sie sich nicht wohl fühlen, sollten Sie das unbedingt wissen. Durch Umfragen gewinnen Sie Klarheit über Aspekte, die andernfalls unter den Tisch fallen würden.

Wenn Sie Schülern/Studierenden regelmäßig (einmal pro Jahr oder Quartal) Fragen zur Lernatmosphäre an Ihrer Bildungseinrichtung stellen, können Sie Veränderungen im Laufe der Zeit beobachten und feststellen, ob bestimmte Maßnahmen (neue Vorschriften oder Ressourcen etwa) etwas bewirken. Sie erfahren außerdem, ob sich die größeren Veränderungen in den allgemeinen akademischen Leistungen Ihrer Klassen/Kurse widerspiegeln.

Um möglichst zuverlässiges Feedback zu erhalten, sollten Sie sich auf einige Kernbereiche beschränken und den Befragten die Möglichkeit geben, sich bei Bedarf ausführlicher zu einem Thema zu äußern. Durch kurze Umfragen mit der Möglichkeit für längere Antworten verhindern Sie, dass den Schülern/Studierenden die Beantwortung zu aufwändig ist (und sie weniger zuverlässig antworten). Außerdem werden sie sich nur zu den Themen ausführlicher äußern, die ihnen wirklich am Herzen liegen.

Beispielfragen für eine Umfrage zum Lernumfeld: Welche Kursressourcen haben Sie genutzt? Fiel es Ihnen leicht, in diesem Kurs Fragen zu stellen? Können Sie mit jemandem reden, wenn Sie Probleme beim Lernen haben?

4. Lassen Sie sich selbst oder andere Lehrkräfte bewerten.

Umfragen unter Schülern/Studierenden werden häufig dazu genutzt, Feedback zur Qualität der Lehrkräfte einzuholen. Die Lehrkräfte und die Bildungseinrichtung gewinnen damit wertvolle Erkenntnisse. Im Bericht des MET-Projekts heißt es dazu:

„Umfragen zur Wahrnehmung seitens der Schüler/Studierenden und Beobachtungen in den Kursen können Lehrkräften aufschlussreiches Feedback geben. Außerdem erleichtern sie den Systemverantwortlichen, ihre Investitionen in Fortbildungen vorrangig darauf zu konzentrieren, dass die größten Lücken zwischen der tatsächlichen Praxis der Lehrkräfte und den Erwartungen an einen effektiven Unterricht geschlossen werden.“

Mit diesen Umfragen können Sie Unterrichtsmethoden und Bildungsressourcen beurteilen und Benchmarks für künftige Bewertungen festlegen. Durch gestaffelte Antwortoptionen lässt sich leicht die allgemeine Stimmung unter den Schülern/Studierenden ermitteln. Auch Trends werden so erkannt.

Wenn Sie die Umfrage von Grund auf neu erstellen möchten, erleichtert Ihnen unsere Vorlage zur Bewertung von Universitätsdozenten den Einstieg. Wenn Sie dieselbe Umfrage immer wieder verwenden, können Sie die Ergebnisse zwischen Lehrkräften oder Kursen vergleichen.

Beispielfragen für Umfragen zur Bewertung von Lehrkräften: Wie würden Sie die fachliche Kompetenz dieses Dozenten beurteilen? Wie groß war Ihr Interesse an den Inhalten dieses Dozenten? Konnte diese Lehrkraft den Kursinhalt verständlich vermitteln? Durch das Unterrichten lernen nicht nur die Kursteilnehmer etwas, sondern auch die Lehrkraft. Mit regelmäßigem Feedback der Studenten können Sie Ihre Lehrmethoden unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse optimieren.

Wie schon Albert Einstein sagte: „Ich unterrichte meine Schüler nie; ich versuche nur, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie lernen können.“

Starke Tools für Neugierige – SurveyMonkey